Zum Inhalt springen

Immobilie als Kapitalanlage prüfen: die Checkliste

Eine gute Kapitalanlage entsteht nicht bei der Besichtigung, sondern am Schreibtisch. Diese Checkliste führt dich in sinnvoller Reihenfolge durch die Prüfung: erst die Zahlen als Filter, dann die Unterlagen, dann die Risiken.

8 Min. Lesezeit · Stand Oktober 2026

Direkt ausrechnen: Mietrendite-Rechner

Schritt 1: Die Zahlen als Schnellfilter

  1. Bruttomietrendite und Kaufpreisfaktor aus Kaufpreis und Kaltmiete. Passt das Objekt grob in deinen Rahmen? (Mietrendite, Kaufpreisfaktor)
  2. Kaufnebenkosten einrechnen und die Gesamtinvestition bestimmen (Kaufnebenkosten).
  3. Nettomietrendite mit realistischen Kosten für Instandhaltung, Verwaltung und Leerstand.
  4. Cashflow vor und nach Steuern mit deiner Finanzierung (Cashflow).
  5. Preis für neutralen Cashflow: Bis zu welchem Kaufpreis trägt sich das Objekt?

Schritt 2: Die Lage prüfen

  • Mikrolage: Straße, Nachbarschaft, Lärm, Anbindung, Einkaufs- und Schulwege. Ein Besuch zu verschiedenen Tageszeiten zeigt mehr als jedes Foto.
  • Mietmarkt: Wie viele vergleichbare Wohnungen werden angeboten, und zu welchen Mieten? Der örtliche Mietspiegel, falls vorhanden, ist deine wichtigste Quelle.
  • Nachfrage: Gibt es Arbeitgeber, Hochschulen oder Zuzug, die Mieter bringen? Wie schnell werden Wohnungen im Viertel wieder vermietet?
  • Entwicklung: Geplante Bauprojekte, Verkehrsanbindung oder Gewerbeansiedlung können eine Lage verändern, in beide Richtungen.

Schritt 3: Unterlagen anfordern

Bei Eigentumswohnungen erfährst du das Wichtigste aus den Unterlagen. Fordere sie vor der Entscheidung an, nicht erst vor dem Notartermin:

  • Teilungserklärung und Gemeinschaftsordnung: Was gehört dir, was der Gemeinschaft? Gibt es Nutzungsbeschränkungen oder Vermietungsvorbehalte?
  • Protokolle der Eigentümerversammlungen der letzten Jahre: Geplante Sanierungen, Streit in der Gemeinschaft, Sonderumlagen.
  • Hausgeldabrechnung und Wirtschaftsplan: Wie hoch ist das Hausgeld, wie viel davon umlagefähig, wie hoch ist die Instandhaltungsrücklage?
  • Energieausweis: Energieeffizienz und Heizungsart entscheiden über Modernisierungsdruck und Nebenkosten für Mieter.
  • Mietvertrag, Mieterliste und Nachweis der Zahlungen: Ist die Miete ortsüblich, gibt es Besonderheiten wie Staffelmiete oder Mietrückstände?
  • Grundbuchauszug: Lasten, Rechte Dritter, Wohnrechte.

Schritt 4: Das Objekt selbst

  • Bausubstanz: Dach, Fassade, Fenster, Leitungen, Feuchtigkeit. Bei Altbauten lohnt sich eine Begutachtung.
  • Heizung: Alter und Art. Gesetzliche Vorgaben zum Heizungstausch können Kosten auslösen.
  • Grundriss und Zuschnitt: Gut vermietbar sind funktionale Grundrisse in marktgängiger Größe.
  • Vermietungsstand: Vermietet oder leer? Eine leere Wohnung gibt dir Spielraum, bedeutet aber Leerstandsrisiko bis zur Vermietung.

Schritt 5: Finanzierung und Steuer

  • Zins und Zinsbindung: Rechne die Anschlussfinanzierung mit einem Zinsaufschlag durch.
  • Eigenkapital: Kaufnebenkosten kommen meist obendrauf.
  • Rücklagen: Plane einen Puffer für Leerstand und Reparaturen ein, der unabhängig von der Miete verfügbar ist.
  • Steuer: AfA, Zinsen und Verlustverrechnung verändern das Bild deutlich, siehe AfA.

Warnzeichen

  • Der Verkäufer drängt auf schnelle Entscheidung und gibt keine Unterlagen heraus.
  • Die genannte Miete ist deutlich höher als im Umfeld und nicht belegt.
  • In den Protokollen stehen anstehende Großmaßnahmen, die noch nicht beschlossen oder finanziert sind.
  • Das Hausgeld ist ungewöhnlich niedrig und die Instandhaltungsrücklage gering.
  • Das Objekt steht auffällig lange zum Verkauf, ohne dass der Preis sich bewegt hat. Das kann auf Probleme hinweisen, aber auch auf Verhandlungsspielraum, siehe Exposés bewerten.

Häufige Fragen

Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Kapitalanlage?

Als Orientierung gilt oft, dass mindestens die Kaufnebenkosten aus Eigenkapital kommen sollten, darüber hinaus verlangen Banken häufig 10 bis 30 Prozent des Kaufpreises, je nach Bonität. Konkrete Konditionen erfährst du bei deiner Bank oder einem Vermittler.

Ist eine vermietete oder eine leere Wohnung besser?

Beides hat Vor- und Nachteile. Vermietet bekommst du sofort Mieteinnahmen, bist aber an den bestehenden Mietvertrag gebunden. Leer kannst du Miete und Mieter selbst wählen, trägst aber bis zur Vermietung das Leerstandsrisiko.

Worauf sollte ich bei der Hausgeldabrechnung achten?

Auf den Anteil, der nicht umlagefähig ist (Verwaltung, Instandhaltungsrücklage), und auf die Höhe der Rücklage im Verhältnis zur Größe und zum Alter des Gebäudes. Eine sehr niedrige Rücklage kündigt oft spätere Sonderumlagen an.

Rechne dein Objekt jetzt komplett durch

Wertblick berechnet Eigenkapitalrendite, Cashflow vor und nach Steuern und drei Szenarien. Gratis starten und die erste vollständige Analyse testen.

Kostenlos starten Ohne Kreditkarte

Stand der Inhalte: Oktober 2026. Die Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Rechenbeispiele sind vereinfacht und enthalten keine Gewähr. Mehr in unseren AGB.